Meditation für Zweifler

Affentheater

In letzter Zeit hat sich etwas eingeschlichen. Ich habe es kaum gemerkt und doch ist es da.
 
Die Wochen nach dem Urlaub bin ich irgendwie unruhig, schnell aufgebracht und kritisch.
Das Leben ist anstrengend geworden – herausfordernd und unübersichtlich.
 
Was ist der Grund?
 

Kaum merklich ist es zurückgekehrt: das Affentheater im Kopf.

 
Es belagert selbst die für Stille reservierte Zeit am Morgen.
 
 
Ich höre nichts mehr, weil ich selber so laut bin.
 
 
Die ständige Aktivität meines Geistes ist mir so vertraut, dass ich es nicht gleich bemerkt habe: ich meditiere nicht, ich denke nach.
Fröhlich hat sich mein Geist wieder daran gewöhnt, während des Sitzens eine Geschichte nach der anderen zu erzählen.
 
Wie konnte es dazu kommen?
 
Durch die Beschäftigung mit unterschiedlichen Meditationsmethoden habe ich mehr auf die Methode gelauscht als auf mein Inneres.
Im Urlaub habe ich gar nicht meditiert, irgendwie hat es sich nicht ergeben.
 
Ich stehe ein bisschen später auf, habe alles ein wenig schleifen lassen.
Zwar setzte ich mich wie gewohnt hin, finde aber nicht zur Ruhe.
 
Ich halte meine Morgenroutine äußerlich ein, bin aber mit den Gedanken schon mitten im Tag.
 

Erstaunlich ist nur, dass es mir erst jetzt auffällt.

 
Je weniger ich zum Meditieren komme, desto schwieriger und fordernder erlebe ich den Alltag.
Und je unübersichtlicher meine Tage werden, desto mühsamer ist es, morgens wirklich still zu werden.
 
Dämlicher Teufelskreis!
 
Ich muss gerade alle meine mir bekannten Werkzeuge einsetzen, um in meine Meditation zurückzufinden.
 
 
Aber es zeigt mir eines: ich brauche die Routine.
Ich bin ein Mensch, der eine gewisse Morgenroutine benötigt.
Selbstbestimmt – von mir und eigens für mich entwickelt.
 
Unser Alltag ist so herausfordernd, dass wir bestimmte Hilfsmittel brauchen, um einen Ausgleich zu finden.
Wer mich kennt und schon länger mitliest, weiß, dass ich die Meditation für das effektivste Mittel halte, um das Rauschen des Lebens ein wenig auf Abstand zu halten.
 
Um einen für uns passenden Weg durch den Dschungel von Angeboten, Ablenkungen und Herausforderungen zu finden, brauchen wir diesen Abstand. Regelmäßig.
 

Erst dann können wir wieder richtig genießen: dass unser Leben so reich und erfüllt ist.
Wir so viele Möglichkeiten haben.

 
Wenn wir regelmäßig still werden, spüren wir deutlich, was zu uns passt und was nicht.
Wir entscheiden sicher und sehen die Chancen, die sich uns bieten.
 
Aber wir brauchen diese eine feste Zeit, in der wir loslassen, Kontrolle abgeben und einfach sein dürfen.
 
Die vergangenen Wochen haben mir gezeigt, wie sich mein Leben angefühlt hat, bevor ich täglich meditiert habe.
 
Und ich kann sagen: ich will nicht dorthin zurück.
 
Ich werde also alles daran setzen, meinen Frieden wieder zu finden.
 
Bis du dabei?
 
 
#Lesetipp zum Thema: Kopfkino
 
 

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2 Comments

  • Reply
    Daniela Große
    23. September 2015 at 13:53

    Liebe Sabine,

    nicht nur das Rauschen der Gedanken wird lauter, auch die Fülle meiner Gefühle. Ausgelöst durch das, was ich denke über das, was ich erlebe, fühle ich immer deutlicher, was ich ähnliche Erlebnisse betreffend schon mal gefühlt habe.

    Wie Seifenblasen im Wind, in denen ich mich spiegelnd sehen kann, bevor sie platzen.

    Für mich ist das ein anstrengender Prozess und ich suche deswegen auch immer wieder die Stille. Wenn mein äußeres Umfeld ruhiger wird, dann folgt ihm auch das Innere. Meine Aufgabe ist es dann, zuzulassen, anzunehmen und auszusortieren.

    Herzliche Grüße,
    Daniela

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      23. September 2015 at 14:13

      Liebe Daniela,
      danke für die bildhafte Ergänzung!
      Gruß, Sabine

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