Selbstentwicklung

Was ist Erfolg?

Vor ein paar Tagen saß ich in einem Café, um zu arbeiten.
 
Am Nebentisch: zwei Frauen. Freundinnen.
Ich habe mit halbem Ohr – und eher ungewollt – ein Teil des Gespräches verfolgt.
 
Tolles Leben, tolle Kinder – kurzum: Erfolg.
 
Alleinerziehende Mutter. Alles im Griff.
Nur der blöde Ex, der ja so asozial ist und die Kinder vernachlässigt.
 
Alles andere – TOTAL SUPER.
 
 

Was veranlasst uns dazu, die eigene Person so überzogen positiv darzustellen?

 
Haben wir das Gefühl, dass es zur Wahrheit wird, wenn wir es nur oft genug wiederholen?
 
Warum müssen wir nur ständig unsere Schwächen verstecken?
Sind wir wirklich so abhängig von der Anerkennung unseres Gegenübers?
 
 
Warum immer diese verkrampfte Erfolgsstory?
Selbst als ungewollter Zuhörer kaum auszuhalten.
 
Gähnende Langweile!
 
 
Und trotzdem ertappe auch ich mich immer wieder dabei.
 
So sehr bemüht, ein perfektes Bild nach außen abzugeben.
 
Was mir nicht gelingt.
Klar.

 
 

Aber was ist Erfolg?

 
Was macht Menschen für dich interessant?
Ist es nicht eher die Erzählung darüber, wie sie mit Schwierigkeiten, Herausforderungen umgehen?
Wie sie über sich selbst lachen?
Wie sie scheitern und ihr Leben dann doch irgendwie meistern?
 
Warum haben wir nur immer dieses perfekte Person im Kopf und kämpfen uns ab, um dem Idealbild zu entsprechen?
Ist das die Motivation, die wir brauchen?
Der Druck von außen?
 
Sicher nicht! Motivation entsteht, wenn wir etwas machen, das wir lieben.
Wenn wir morgens aufwachen und uns auf die nächste Aufgabe freuen.
 
Wenn wir uns Herausforderungen stellen, die wir auch meistern können.
 
 
Wenn wir „unser Ding“ machen, zeigen wir Haltung.
Und stossen alleine dadurch immer wieder auf Irritation und Kritik von anderen.
 
Doch hier ist der Unterschied:
Wenn wir das tun, was uns entspricht, wissen wir instinktiv, dass es das richtige ist.
 
Wir wollen plötzlich nicht mehr gefallen, erzählen keine frisierten Erfolgsgeschichten.
 
 
Wir sind echt.
 
Echt in dem, was wir tun.
 
Und das merken auch die andern.

 
 
Und dann besteht die Herausforderung nur noch darin, sich selbst dabei nicht zu wichtig nehmen.
(Was zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist.)
 
 
 
 
Und? Wie sieht es bei dir aus? Kannst du Schwierigkeiten zugeben? Schwächen zeigen?
Was bedeutet Erfolg für dich?
Ich freue mich über deinen Kommentar.

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5 Comments

  • Reply
    Maike
    16. Februar 2015 at 11:22

    Hallo Sabine,
    ein sehr interessantes Thema! Darüber könnte ich stundenlang philosophieren. Aber hier schreibe ich besser nur die Kurzfassung. 😉
    Mir ging es auch lange Zeit so, dass ich anderen immer nur die „perfekte“ Seite von mir zeigen wollte, ohne Macken, ohne Schwächen. Dass ich dadurch auf andere nicht nur langweilig, sondern regelrecht unsympathisch wirkte, habe ich erst gemerkt, als ich endlich ganz ich selbst war und plötzlich viel besser ankam. Warum habe ich mir also all die Jahre den Stress gemacht, „besser“ oder „ideal“ wirken zu wollen? Was heißt das überhaupt in einer Welt voller Individuen?
    Und wenn ich doch mal wieder in die Situation komme, meine Schwächen vertuschen zu wollen, denke ich daran, dass es sich nicht lohnt. Denn ich belüge damit nicht nur andere, sondern auch mich selbst. Dass ich mich aber immer noch selbst in diese Richtung ermahnen muss, zeigt, wie tief sich dieses Ideal-Streben ins Gehirn eingebrannt hat. Auch wenn es im Gegesatz zu früher selten geworden ist, hoffe ich, es noch komplett ablegen zu können.

    Viele Grüße
    Maike

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      17. Februar 2015 at 12:42

      Hallo Maike,

      dieses Muster scheint tatsächlich tief verwurzelt zu sein.
      Und so werden wir uns wohl immer mal wieder dabei ertappen, dass wir uns verstellen, um besser „anzukommen“.
      Da hilft nur: tief durchatmen und uns – liebevoll lächelnd – wieder auf den Weg Richtung Authentizität machen.

      Liebe Grüße,
      Sabine

  • Reply
    Spangl
    19. Februar 2015 at 15:33

    Hallo Sabine,
    hab schon früher mal darüber nach-meditiert und dabei ist folgendes herausgekommen. Überall lesen wir positives Denken hilft im leben voran zu kommen. Deshalb loben wir uns, zumindest viele Menschen selber über den grünen Klee hinaus. Wir haben positives und negatives in uns gleichermaßen. Lobe ich mich selbst soviel, so trägt der Andere das negative. Damit hat der Mensch immer ein Vorbild, das er selbst nicht haben möchte und gibt es an die Anderen, die ja gar nichts verstehen weiter. Weil, wenn ich der Gute bin, dann gibt es den Bösen. lg.Rainer

  • Reply
    Gaby Engelbart
    18. Juli 2016 at 21:02

    Hallo Sabine,
    Vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Wirtschaftswoche vom 19. Juni 2016 gab es auch zum Thema Erfolg einige Beiträge: http://weiter-lesen.net/1937/deinen-erfolg-sichern/ Meiner Meinung nach gehört zum Erfolg, Dinge zu tun, die einem liegen, die man idealerweise sogar liebt und nicht zu früh aufzugeben! Und ohne eine gewisse Disziplin geht es meisten auch nicht!

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      19. Juli 2016 at 6:45

      Hallo Gaby, da kann ich dir nur beipflichten. Danke für die Ergänzung! Lieben Gruß, Sabine

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