Achtsamkeit

Geduld – keine leichte Übung

Geduld. Ein sehr schwieriges Thema.
 
Eine Idee, ein Plan – Begeisterung.
Und leider sofort: meine Ungeduld.
Und ruck zuck komme ich an meine Grenzen.
 
Es kann dann einfach nicht schnell genug gehen.
 
Kennst du das?
Eine Freundin erzählt dir von einem tollen neuen Restaurant in der Stadt und du kannst es kaum erwarten, es auszuprobieren?
 
Du gräbst eine neue Pflanze auf deinem Balkon ein und fragst dich, warum es so lange dauert, bis du ein Lebenszeichen bekommst?
Und sei es nur in Form eines neuen Triebes oder der Andeutung einer Knospe?
 
Du liest ein Buch, das dich ungemein inspiriert und möchtest unbedingt – ganz schnell – alle Bücher von dem Autor lesen?
 
 
Wahrscheinlich liegt es daran, dass du dich so schnell für Dinge begeistern kannst.
Du bist dann hochmotiviert und inspiriert – und die Umsetzung zieht sich in die Länge.
 
Zum Durchdrehen!
 
 
Dabei fehlt es nur an Vertrauen. Vertrauen, dass die Dinge schon ihren Lauf nehmen.
Dass es das Leben gut mit dir meint.
 
 
Denn eigentlich ist es offensichtlich: du schadest dir mit der Ungeduld nur selbst.
Sie ist ein Ausdruck von Unzufriedenheit und vielleicht auch Angst.
 

Ungeduld ist unerbittlich.

 
Es fehlt die Zuversicht, dass alles im richtigen Tempo geschieht.
Dass alles auch ohne dein Zutun gut läuft.
 
 
Und das Schlimmste: Ungeduld ist ansteckend.
Du machst deine Umgebung verrückt damit!

 
 
Deshalb dieser Artikel heute.
 
Geduld heißt nicht einfach abzuwarten.
 

Geduld bedeutet, zu wissen, dass sich alles entwickeln wird.

 
Es bedeutet auch, den Dingen die Zeit zu geben, die sie zum Wachsen brauchen.
 
 
 
„Still sitzen nichts tun. Frühling kommt. Gras wächst von selbst.“
(Zenspruch)
 
 
 
Das klingt gut?
 
Aber wie setzt du das um?
 
1. Bemerke die Momente, in denen du ungeduldig bist. Ungeduld ist ein Impuls. Bemerkst du den Impuls, hast du die Wahl, anders zu reagieren.
 
2. Beobachte die Ursachen. Stelle fest, was dich triggert.
 
3. Atme erstmal durch. Wenn du bemerkst, wie die Ungeduld in dir hochsteigt – hochkocht – dann schaffst du es vielleicht, erstmal tief durchzuatmen und bis 10 zu zählen. Alter Trick – aber er gibt dir die Möglichkeit, dich bewusst für eine andere Reaktion zu entscheiden.
 
4. Denke daran, was wirklich wichtig ist. Im Eifer des Gefechts verlieren wir manchmal das große Ganze aus den Augen.
Um was geht es dir eigentlich?
Step back – gewinne Abstand und schon sieht die Sache wieder anders aus.
 
 
Ungeduld hat aber auch gute Seiten.
 
Kraft, Energie und der Wille etwas zu verändern.
Keine Duldung unakzeptabler Zustände. Spontaneität. Phantasie.
 
Alles kleine Brüder der Ungeduld.
 
 
Und trotzdem:
 
Denke daran, dass gute Dinge Zeit brauchen.
Nichts entwickelt sich von heute auf morgen.
 

Ist blöd, ist aber so.

 
 
#Lesetipp zum Thema: Große Probleme – kleine Probleme
 
Bist du auch eher ein Macher?
Fällt es dir schwer, Ruhe zu bewahren und abzuwarten, dass die Dinge wachsen?
Schreib uns in den Kommentaren, wie du damit umgehst!

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5 Comments

  • Reply
    Sascha Planert
    7. Juni 2015 at 13:23

    Ungeduld ist meiner Meinung nach auf der einen Seite ein starker Motivator, andererseits ein Fluch. Ich sehe das ähnlich wie du. Ich neige eher zur Ungeduld. Meine Anfangsmotivation ist extrem groß und ich habe einen guten Drive, doch mein Durchhaltevermögen ist nicht immer so wie gewünscht. Daran arbeite ich mit Meditation :-).

    Vertrauen ist essentiell, doch das schnelle Aufgeben hat bei manchen Dingen auch seine positiven Seiten: Man merkt, dass einem die Sache nicht wichtig war und man nur einer fremden Idee gefolgt ist. Sobald es eine Herzenssache ist, bleibt man wie durch Zauberhand einfach dabei. Was ebenfalls hilft bevor man losrennt, ist die intensive Beantwortung der Frage: „Warum will ich oder brauche ich das unbedingt?“

    Grüße, Sascha

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      7. Juni 2015 at 13:38

      Hey Sascha,

      ja der Blick auf das große Ganze hilft bei der Einschätzung, ob man es wirklich ernst meint. Dranbleiben bei den wichtigen Dingen, selbst wenn die Resultate auf sich warten lassen. Trotzdem sauschwer =)

      Lieben Gruß, Sabine

  • Reply
    Sascha Planert
    7. Juni 2015 at 14:18

    Da heißt es ab und an wirklich einfach nur durchziehen :-). Ich denke Menschen fällt das schwer, weil man bei manchen Tätigkeiten keine sofortige Ergebnisse in der Realität sieht bzw. spürt. Wenn z.B. ein Haus gebaut wird, kann man den Fortschritt Tag für Tag verfolgen, bei z.B. Meditation fehlt anfangs so eine Rückkopplung. Dadurch denkt man, dass kein Erfolg existiert. Die „Arbeit“ muss also bei z.B. Meditation in eine ungewisse Zukunft ausgelagert werden.

    Meine Lösung dafür: Ich stelle mir eine „andere Dimension“ vor, in der ich wie gewünscht existiere. Klingt komisch? Damit meine ich, dass man seine Ziele visualisieren sollte ;-). Natürlich vertraue ich dem Fluss des Lebens, dennoch gehören Ziele dazu. Für mich macht es die Ausgewogenheit.

    Grüße, Sascha

  • Reply
    Martin
    16. Juni 2015 at 11:36

    Hallo Sabine,
    bei den größeren Fragen des Lebens ist Geduld unerträglich, dabei geht es ums Werden, ums Gebären von neuen Wegen und Sichtweisen. Am meinem Kühlschrank hängt dazu dieses Gedicht, das mir hilft:

    Über die Geduld – von Rainer Maria Rilke

    Man muss den Dingen
    die eigene, stille
    ungestörte Entwicklung lassen,
    die tief von innen kommt
    und durch nichts gedrängt
    oder beschleunigt werden kann,
    alles ist austragen – und
    dann gebären…

    Reifen wie der Baum,
    der seine Säfte nicht drängt
    und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
    ohne Angst,
    dass dahinter kein Sommer
    kommen könnte.

    Er kommt doch!

    Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
    die da sind, als ob die Ewigkeit
    vor ihnen läge,
    so sorglos, still und weit…

    Man muss Geduld haben

    Mit dem Ungelösten im Herzen,
    und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
    wie verschlossene Stuben,
    und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
    geschrieben sind.

    Es handelt sich darum, alles zu leben.
    Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
    ohne es zu merken,
    eines fremden Tages
    in die Antworten hinein.
    —————————————————–
    Liebe Grüße
    Martin

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      16. Juni 2015 at 16:01

      Hallo Martin,
      danke dass du dieses Gedicht mit uns teilst – ich kannte es bislang nicht.
      Und ehrlich: wenn man das so liest, bin ich noch meilenweit von einem geduldigen Menschen entfernt …
      Aber ich arbeite dran =)
      Lieben Gruß,
      Sabine

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