Meditation für Zweifler

Let´s talk about: Kopfkino

Ich sitze am See, mitten in der Natur. Wir campen wild. Es ist ruhig.
Alles scheint an seinem Platz zu sein.
 
Der Ort ist vollkommen neutral und nimmt keine Notiz von mir.
Alles ist perfekt, so wie es ist.
Und es macht keinen Unterschied, ob ich hier bin oder nicht.
 
 
Stille.
 
 
Es ist ruhig – nein, nicht wirklich. In meinem Kopf geht es zu wie in einem Bienenstock. Ein ständiges GedankenGebrumm.
 

Kopfkino.

 
Hält das Wetter? Sind wir hier sicher? Wem gehört dieses Stück Land?
Wie schön es hier ist.
 
Oh, ist das nicht ein Reiher?
 
Der Unterschied zwischen mir und meiner Umgebung ist frappierend: alles um mich herum ist völlig neutral und in Frieden.
Es ist perfekt so wie es ist. Einfach da. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
 
Ich bin hier ganz offensichtlich die einzige, die der Szene einen Inhalt abringt.
 

Kopfkino. Laut und dominant.

 
Alle Geschichten die auftauchen sind die, die ich der Situation aufsetze:
Ich überlege mir, wo die Enten hinschwimmen, wie lange das Ruderboot schon unbenutzt hier liegt und ob es wohl ein Problem ist, wenn wir heute Abend ein Feuer machen.
 
Vor allem: sind wir hier sicher?
 
 
Die Szene verändert sich durch meine Gedanken. Ich interpretiere, was ich sehe und erfinde meine eigenen Geschichten dazu.
 
Dabei kann ich mich schon morgen wahrscheinlich an keinen meiner Gedanken mehr erinnern.
Und in ein paar Tagen werde ich sogar Schwierigkeiten haben, mit Bestimmtheit zu sagen, an welchem Tag genau wir hier waren.
 
Ob ich es wohl wagen kann, kurz schwimmen zu gehen?
Welche Tiere hier wohl im Wasser leben?
 

Alles findet nur im Kopf statt.

 
Die Realität ist einfach. In diesem Fall glücklicherweise nahezu perfekt – aber eben auch komplett neutral.
 
Mir wird klar: meine Interpretation bestimmt, wie ich den Moment erlebe.
 

Mein ganzes Leben ist das, was ich darüber denke.

 
Ich sammle all diese Informationen und nenne sie mein Leben.
 
Dabei kann ich mich an viele Situationen nur bruchstückhaft erinnern und weiß oft nicht mehr so genau, wie es wirklich abgelaufen ist.
Es ist ein Puzzle und es ist nicht real.
 
Aber wie ich es wahrnehme, so ist es für mich.
 

Meine Realität ist davon bestimmt, wie ich deute, was ich erlebe.

 
 
Die Auflösung kommt am nächsten Morgen:
Alles ist unverändert, taufrisch.
Nichts und niemand hat auf uns reagiert.
Die Szene ist perfekt – genau wie zu dem Zeitpunkt, als wir angekommen sind.
 
Ein völlig neutraler Ort, der es hinnimmt, von uns interpretiert zu werden.
 
Wir fahren weiter – und es bleibt ein kurzes Bedauern.
Dass ich diese Umgebung nicht noch vorbehaltloser, noch offener habe aufnehmen können.
 
Und dann ein Lächeln – ein anderer idyllische See, eine weitere phantastische Übernachtungsmöglichkeit werden sich finden.
 
Immer wieder eine neue Gelegenheit.
Und das nicht nur im Urlaub.
 
 
#Lesetipp zum Thema: Mindfulness. Achte auf deine Gedanken.
 
 
Kennst du ähnliche Situationen? Wann hörst du deine Gedanken besonders laut? Schreibe in den Kommentaren über deine Erfahrungen!

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2 Comments

  • Reply
    Anna
    3. September 2015 at 15:46

    Hallo liebe Sabine,
    oh ja, das kenne ich! Wenn einem die Gedanken alles verderben! Das Schlimmste ist allerdings, wenn man Gedanken darüber hat, dass einem die Gedanken alles verderben. Dann geht’s nämlich erst richtig los. Manchmal bin ich so bedacht darauf, friedlich und ruhig zu sein, dass das furchtbar anstrengend wird. Gestern war ich zum Beispiel ziemlich unruhig. Ich suchte nach Gründen, wurde immer unruhiger, weil ich keine fand, bis es mir schließlich einfiel – etwas, das ich immer und immer wieder vergesse: Wenn man diesen Zustand annimmt – dass man unruhig und in Gedanken ist, dann löst sich diese Unruhe auf! Ich habe also genau geschaut, wie sich mein Körper anfühlt und die Unruhe akzeptiert, Auch als etwas Vergängliches angenommen. Und siehe da: Nur eine halbe Stunde später war der Frieden wieder da! Paradox, aber immer wieder erstaunlich! 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Anna

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      3. September 2015 at 16:04

      Hey Anna,
      schön zu hören, wie du mit deinem Kopfkino umgehst. Ich stimme dir zu – wenn man es einfach so annimmt wie es ist, geht es auch wieder vorbei.
      Es heißt also: locker bleiben! Was nicht immer einfach ist …
      Danke für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße,
      Sabine

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