Zeit erleben

Die Sache mit der Lebenszeit

Lebenszeit

Miesepeter statt Frühlingsjauchzen. Melancholie – statt die sonst üblichen Neugier auf das was kommt.
 
Ich bin in einer komischen Stimmung.
 
Irgendwie will die Freude über das sprießende Grün noch nicht wirklich aufkommen.
 
Liegt es an all den Bowies, Willemsens und Genschers dieser Tage, die sich so sang und klanglos aus dem Leben verabschieden?
Wo ich doch das Gefühl habe, dass wir zur Zeit jeden „guten Typen“ so dringend brauchen?
Dass jeder anständige Kommentar zur aktuellen Situation wichtig ist?
 
Denn: ob ich sie mochte oder nicht – irgendwie haben sie doch immer zu meinem Leben dazugehört.
Es ist, als ob eine Art Orientierung allein von der Tatsache ausgeht, dass diese Menschen gleichzeitig mit mir existieren.
 

Doch wenn es sie trifft, dann kann es jeden von uns treffen.

 
Mir kommt ein Text von Meike Winnemuth in den Kopf, den ich Anfang des Jahres beim Frisör gelesen habe – jawohl beim Frisör. Auch da findet man die ein- oder andere Perle 🙂
 
Meike Winnemuth versucht, den Rest des Lebens zu berechnen.
Und der ist überschaubar:
 
Noch 25 Sommer, noch 25 Winter, noch 25 Mal Kirschen, noch 1950 Liter Wein.
 
Sie führt sich dabei die verbleibenden Jahre auch grafisch vor Augen:
 
 
++++++++++
++++++++++
+++++
 
 
Ein Kreuz für jedes Jahr, das ihr bleibt.
Wenn´s gut geht…
 
Das ist überschaubar.
Und keinesfalls garantiert.
 

Wie viel Lebenszeit bleibt uns?

 
Und wie verbringen wir sie?
 
Meike Winnemuth hat eine klare Schlussfolgerung:
„Es bleibt nicht mehr viel Zeit für Schrott“
 
Kluge Frau.
 
Angesichts der begrenzten Jahre haben wir schlicht und ergreifend keine Zeit mehr für:
Gedanken voller Schrott, Gefühle voller Schrott, Gespräche voller Schrott oder auch Nahrung voller Schrott.
 
Nachrichten voller Schrott, ach überhaupt: Fernsehen voller Schrott.
 
Raus damit! Frühjahresputz!
Innen wie außen.
 
Aber vor allem innen.
 

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4 Comments

  • Reply
    Ben J.
    5. April 2016 at 18:34

    Komm, geh mir bloss fort mit Fruehling!
    Wieso denken wir eigentlich immer an was idyllisches, wenn’s um den Fruehling geht? Tatsache ist doch, dass der Fruehling die aggressivste Zeit ueberhaupt ist, eine Marketingkampagne der Natur ohne Gleichen: da werden an allen Ecken ungefragt die aberwitzigsten Blueten aufgesetzt und die betoerendsten Duefte verstroemt. Ueberall wird gnadenlos gezwitschert und getraellert, von jedem Dach, von jedem Wipfel, zu den unchristlichsten Zeiten, den Sonntagmorgen mit eingeschlossen. Und genistet wird ebenfalls ueberall und auf Teufel komm raus. Selbst in unseren Schleimhaeuten wollen sich Pollen einnisten. Natuerlich! Ungefragt. Und dass in dem ganzen Tohuwabohu einiges auf der Strecke bleibt ist nicht nur unvermeidlich, sondern sogar Teil des Konzepts! Die EVOLution greift! LOVE findet man darin, wenn man’s unbedingt finden will, nur um 180Grad verdreht!
    Fruehling laesst sein blaues Band flattern? Von wegen! Er laesst es schnalzen, dass es nur so kracht! So isses! Kein Wunder, wenn man von so viel Blau den Blues bekommt!

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      6. April 2016 at 8:12

      Haha, wunderbar Ben! So kann man das natürlich auch sehen. Jetzt geht es mir schon viel besser 🙂 Beste Grüße! Sabine

  • Reply
    Tom F.
    6. April 2016 at 12:25

    Wir sollten einfach mehr leben und weniger Zeit verschwenden. Aber das ist natürlich auch einfacher gesagt als getan. Wir brauchen das Geld zum Leben. Und da Geld in den wenigsten Fällen vom Himmel fällt, müssen wir arbeiten. Und zwar immer mehr für weniger Geld. Und das frustriert. Uns bleiben nur 2 Möglichkeiten, um nicht verrückt zu werden: Nicht denken, und alles einfach hinnehmen. Oder unsere Ansprüche soweit zu senken, dass wenig Geld zum zufriedenen Leben ausreicht. Unsere Gesellschaft hat uns allerdings soweit konditioniert, dass wir in einem permanenten Konkurrenzkampf mit unseren Mitmenschen stehen. Das macht unglücklich und unzufrieden.
    Was den Frühling und die kürzlich Verstorbenen angeht, so besteht hier zufällig ein direkter Zusammenhang. Auf der einen Seite stehen der Tod für das Ende und der Frühling für Neuanfang. Dass wir heute häufiger auf bekannte Tote treffen, liegt vor allem daran, dass wir selber älter geworden sind. Aber deshalb dürfen wir umso intensiver den Frühling, also den Neuanfang, bewusst genießen. Und das gehört, so glaube ich, zum Glücklichsein (und damit zum Sinn des Lebens) dazu – sich an kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen!

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      6. April 2016 at 12:43

      Hallo Tom! Danke für deinen Kommentar – ja, wir stecken wirklich ein wenig in der Klemme. Und klar müssen wir Geld verdienen. Und ja, es hilft, unsere Ansprüche herunter zu schrauben. Bis zu einem gewissen Punkt. Den muss man finden. Und dann versuchen aus der restlichen Zeit “ den Schrott“ heraus zu halten. Wahrscheinlich werden wir das für uns stimmige Gleichgewicht immer wieder suchen … Dir einen lieben Gruß, Sabine

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