Einfach mal weg Einfachheit

Mein mobiles Büro

mobiles büro

Die Sonne scheint, ich bin unterwegs in Lissabon, auf der Suche nach einem Café mit WLAN, in dem ich für ein paar Stunden arbeiten kann.
 
Mein mobiles Büro habe ich bei mir.
Laptop, Maus, zusätzliche Festplatte und mein Ladekabel. Mehr brauche ich nicht.
 
Das war nicht immer so.
Noch vor ein paar Jahren hatte ich ein repräsentatives, helles Büro in Schwabing, feste Mitarbeiter und arbeitete für große Kunden in der Automobilbranche.
Klingt toll, war es auch – und trotzdem hatte dieses Leben seine toxischen Nebenwirkungen: ich stand permanent unter Druck, hatte Probleme beim Einschlafen, war nie wirklich bei mir.

 
Ja, ich habe gut verdient in der Zeit und war auf dem besten Weg, das Büro noch größer, bekannter und erfolgreicher zu machen.
 

Und trotzdem ging es mir nicht gut. Mein Grad an Freiheit ging gegen Null, meine Gesundheit ließ zu wünschen übrig. Ich war unzufrieden.

 
Irgendwann habe ich mich durchgerungen und habe alle die Perspektiven und Möglichkeiten, den Erfolg und den Stress hinter mir gelassen. Es ging nicht anders.
 

Ich war einfach nicht mehr bereit, den Rest meines Lebens auf diese Weise zu verbringen.

 
Ich hatte keinen Plan, wie es weitergehen sollte.
Ich wusste nur, dass ich all den Ballast abwerfen und von nun an mit leichterem Gepäck leben wollte.
Anfangs hat sich all das wie Scheitern angefühlt und es war nicht ganz einfach eine neue Lebensperspektive zu entwickeln und sie gegen die Erwartungen und Vorstellungen meiner direkten Umgebung durchzusetzen.
 
Aber es hat sich gelohnt. Mein Leben ist seither entspannter, lebendiger und um ein Vielfaches lebenswerter geworden. Ich habe alle Bereiche radikal vereinfacht, meine Kosten reduziert. Und dafür Freiheit gewonnen.
 

Ich arbeite heute als Freelancer, habe das eigene Büro gegen ein Coworkingstudio eingetauscht, die aufwändige Infrastruktur gegen ein mobiles Büro.

 
Ab und an gönne ich mir eine Auszeit und lebe und arbeite für ein paar Wochen an einem andern Ort.
So bin ich zur Zeit im Surfoffice in Lissabon und genieße es, mit Leuten unterschiedlicher Nationalität und Hintergrund unter einem Dach zu leben und zu arbeiten. Eine Erfahrung, die mich inspiriert und unendlich bereichert.
 
mobiles büro
 
Es lohnt sich, immer wieder innezuhalten und zu prüfen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Ob es Bereiche gibt, die man vereinfachen kann, um dafür vielleicht unabhängiger und freier leben zu können. Woran man mitwirken und was man beitragen kann.
 
Wir sind gefordert, uns zu fragen, ob wir die Statussymbole und den „Erfolg“ wirklich brauchen oder ob es nicht vielmehr darum geht, Erfahrungen zu machen und zu wachsen.
 
Für mich bedeutet Erfolg, selbstbestimmt leben zu können. Die Wahl zu haben.
Dazu braucht es nicht unbedingt ein mobiles Büro.
 
Aber es braucht Zeit, Abstand und Reflexion.
 

Welche Erfahrungen willst du machen?

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16 Comments

  • Reply
    Maike
    1. März 2016 at 18:37

    Hallo Sabine,
    ganz genau wie du sehe ich das auch. Nur weil wir uns irgendwann mal für einen Weg entschieden haben, muss das nicht für immer so bleiben. Wir verändern uns ständig und entwickeln uns weiter. Am alten Leben festzuhalten gleicht dann einem Todesurteil. Wir dümpeln vor uns rum in einem Leben, das nicht mehr zu uns passt – Lebensfreude sieht anders aus.

    Ich habe ebenfalls erkannt, dass mein bisheriger Weg nicht (mehr) zu mir passt. In meinem Innern hat alles rebelliert und geschrien, wenn ich mir diesen Weg vorgstellt habe. Deswegen habe ich mich gegen ihn entschieden. Jetzt rebelliert (überspitzt formuliert) meine Familie, weil ich immer die Geradlinige war, die nun plötzlich „vom Weg abgekommen“ ist. Erstaunlicherweise stört mich das nicht, denn ich habe mich nie friedlicher gefühlt als im Moment. Jederzeit wieder würde ich mich für den Weg meines Herzen entscheiden, denn äußere Widerstände gegen unsere Pläne nehmen bei weitem nicht so viel Lebensenergie wie der tägliche innere Kampf, wenn wir in einem „falschen“ Leben stecken.

    Liebe Grüße
    Maike

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      1. März 2016 at 21:18

      Liebe Maike, danke für deine offenen Worte. Ich kann gut nachvollziehen, wie du dich im Moment fühlst. Ich wünsche dir alles alles Gute auf deinem Weg und bin gespannt, wie es bei dir weiter geht! Sabine

  • Reply
    Elena
    2. März 2016 at 12:58

    Hi Sabine,
    ich freue mich gerade sehr darüber, über deinen Blog gestolpert zu sein!

    Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen.
    Frisch von der Uni gekommen, konnte ich mir gar nicht vorstellen in einem klassischen Unternehmen zu starten und für Ziele und Erfolge zu schuften, die nicht meine eigenen sind.
    Ich habe mich stattdessen für ein Fernstudium in einem kreativen Bereich entschieden und arbeite nebenher auf meine Selbstständigkeit als Illustratorin hin.
    Spannend, anstrengend und erfüllend – aber für mich zu diesem Zeitpunkt der richtige Weg.

    Ich wünsche dir alles Gute und bin gespannt, mehr von dir zu lesen.

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Elena

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      2. März 2016 at 13:28

      Wunderbar, Elena. Ich freue mich, dass du meinen Blog gefunden hast. Alles Liebe dir auf deinem weiteren Weg! Sabine

  • Reply
    Stefan Boos
    3. März 2016 at 20:35

    Du hast ja so recht,liebe Sabine!!
    Bin grad voll in diesem Prozess!!
    Freu mich auf mehr!!
    Alles Liebe
    Stefan

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      4. März 2016 at 11:32

      Hey Stefan, ich wünsche dir so viel Kraft und Inspiration für deinen Weg! Hoffentlich bis bald mal wieder, Sabine

  • Reply
    Gert Köhler
    4. März 2016 at 8:33

    Moin Sabine

    Für mich gibt es schwarz und weiß, dazwischen ist bunt. Ein Raum,  den ich für mich ausgemacht habe. Hier mache ich immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft aus,  die sich das Recht herausnehmen,  ihren Individualismus zu leben. 3 mal ICH, X mal DIE Anderen (mit persönlichem Profil) . Mit zunehmender Akzeptanz zum Minimalismus leitet sich eine Kompatibilität unter Menschen ab,  die dem Leben völlig neuartige Inhalte gibt. Und dann macht „Small is Beautifull“ erst richtig Spaß. Und genau den wollen wir doch ausserhalb des Hamsterrades haben,  oder?

    Erlaube mir noch eine kurze Zusammenfassung aus dem Vorwort der Rede von Leopold Kohr anläßlich zur Verleihung des alternativen Nobelpreises in 1983:

    Dass  diese  Entwicklung  zur  Maßlosigkeit  nur  durch  energisches  Eintreten  für  ein menschliches  Maß,  für  überschaubare  Größe  und  Entwicklung  veränderbar  sein  könnte, war  die  Botschaft  von  Leopold  Kohr.  „Jenseits  einer  bestimmten  kritischen  Größe  sind wir  schlicht  und  einfach  nicht  mehr  Herr  über  unser  Schicksal.“  Die  Umkehr  des  ein dimensionalen  Zuges  in  Richtung  Größenwahn,  Geschwindigkeitsrausch  und  Vereinigungsfieber  hin  zur  Entwicklung  in  kleine,  überschaubare  und  verantwortbare  Einheiten–  von  Kritikern  gerne  als  Rückkehr  ins  „dunkle  Mittelalter“  bezeichnet  –  wäre  als  der eigentliche  Fortschritt  zu  denken.

    Demnach können WIR mit UNSEREN Überlegungen ja nicht ganz so falsch liegen. Naturgemäß bleiben (Partei-)Politik, Finanzen, Medien und Lobby zielgerichtet in ihrer Einbahnstraße. Bunte Räume sind nicht alternativlos.

    Willkommen im Club „Zurück zum menschlichem Maß“.

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      4. März 2016 at 11:39

      Hi Gert, danke für diese wichtige Ergänzung! Unglaublich, dass diese Rede schon aus dem Jahr 1983 stammt. Ein echter Vordenker. Ja, ich glaube, wir liegen mit unserem Leben im „bunten Raum“ ganz richig – es fühlt sich zumindest so an. Liebe Grüße, Sabine

  • Reply
    Chrissi
    4. März 2016 at 8:40

    Ein wirklich toller Post, Sabine!
    Wie du schon sagst: Es braucht Zeit und Abstand, aber irgendwann erkennt man, was man eigentlich will/braucht. Und dann ist der größte Schritt schon getan (so geht es mir zumindest, denn sich darüber klar werden und anfangen ist für mich immer eine wahnsinnig große Hürde).
    Jeder kann seine Bestimmung finden – man muss einfach nur ehrlich mit sich sein.
    Ich bin gerade erst dabei, mir ein ähnliches Leben wie du aufzubauen – es motiviert daher ungemein, zu lesen, dass es klappen kann.

    Liebe Grüße

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      4. März 2016 at 11:44

      Ja, es kann klappen, liebe Chrissi. Wenn ich hier durch Lissabon laufe, bin ich einfach nur dankbar, dass sich damals den Mut hatte, die Richtung zu wechseln. Und klar: es ist nicht immer alles rosig – aber die Entscheidung war definitiv die richtige! Sabine

  • Reply
    Christian Olbrich
    11. März 2016 at 9:28

    Mmmh, Lissabon… Den Weg raus aus der fremdbestimmten, stressenden Anstellung rein in eine zunehmend mehr selbstbestimmte freiberufliche Tätigkeit habe ich auch vollzogen. Leider bin ich noch nicht in Lissabon angekommen, wohl aber in einer zunehmend von mir selbst für mich selbst gestalteten, achtsamen Arbeitswelt. Ich hoffe, auch meine Kunden profitieren davon, in jedem Fall aber mein Sohn.
    Hin und wieder keimt die Angst auf, der nächste Auftrag könnte ausbleiben, ich müsse mir das Scheitern eingestehen. Bislang kam der nächste Auftrag immer, oft gerade dann. Weniger Geld und mehr Freiheit führen zu veränderten Lebensentwürfen. Ich könnte mit noch viel weniger auskommen, wenn ich mich traute.
    Liebe Sabine, viel Spaß unterwegs. Ich musste des Surfbretts wegen spontan an „Let My People Go Surfing“ von Yvon Chouinard denken – ein Buchtipp von mir…
    Liebe Grüße vom Niederrhein an den Tejo
    Christian

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      11. März 2016 at 9:46

      Hey Christian, danke für den Buchtipp.
      Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Umstellung in eine freiberufliche Tätigkeit nicht einfach ist. Aber es lohnt sich, der Zuwachs an Freiheit ist enorm – wenn man es schafft, Einkommen und Ausgaben in ein gutes Gleichgewicht zu bekommen. Deshalb mein Artikel über das Buch „Wir können auch anders“. Ich finde diesen Denkansatz wirklich sehr hilfreich. Alles Gute Dir! Sabine

  • Reply
    Michaela
    16. April 2016 at 8:34

    Hallo Sabine und die anderen Freelancer

    bin grad dabei mein Leben auch zu verändern und musste aus dem Hamsterrad aussteigen….ich bin aber schon 50 und weiss nicht wie ich das noch schaffen soll, mich selbständig zu machen…..Für Tipps wäre ich dankbar, bin seit Jahrzehnten….als Sekretärin angestellt gewesen…..
    Liebe Grüße und Euch weiterhin viel Erfolg auf Eurem Weg
    Michaela

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      18. April 2016 at 16:40

      Hallo Michaela, wenn du reisen möchtest, sollest du dir ein Business aufbauen, das du ortsunabhängig betreiben kannst. Es gibt sehr viele Informationen und Tipps zu dem Thema im Netz. So aus der Ferne ist es natürlich schwierig, dir passende Anregungen zu geben. Ich wünsche dir viel Erfolg! Sabine

  • Reply
    Coffeinhamster
    2. März 2017 at 12:44

    Dein Blog ist ein bischen wie Urlaub. Und Deine Posts tragen gerade dazu bei meine eigene innere Unruhe zu mildern… Viel Erfolg und ich schaue jetzt regelmäßig rein. Danke!

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      2. März 2017 at 12:48

      Hach lieber Coffeinhamster, das freut mich sehr zu hören. So ist es gedacht. Willkommen! Lieben Gruß, Sabine

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