Fokus Zeit finden

Weniger arbeiten – aber was ist mit dem Geld?

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Immer wieder erreichen mich Fragen zu Thema Geld. Viele spüren, dass eine 50+ Stundenwoche nicht das ist, was sie sich für ihr Leben wünschen.

Sie würden gerne weniger arbeiten, wissen aber nicht, wie sie mit weniger Geld auskommen sollen.

 
Ich kann das gut nachvollziehen, war ich doch lange in derselben Situation.
Und ehrlich: ich habe daran erst etwas geändert, als es gar nicht mehr anders ging.
Als meine Gesundheit auf dem Spiel stand und ich einfach nicht mehr weiter wusste.
 
Aber soweit muss es nicht kommen.
 
Neulich habe ich mich mit Freunden getroffen, die ich nicht oft sehe: sie haben sehr wenig Zeit.
Was schade ist, weil ich sie wirklich gerne mag.
Während unseres Treffens ist mir aufgefallen, dass sie beide sehr entspannt und gelöst wirkten.
Erst nach einer Weile wurde mir klar warum: sie haben sich beruflich verändert.
Sie sind aus einer Firma ausgestiegen, an der sie beteiligt waren. Ihre Arbeit dort hat ihnen einfach keine Freude mehr gemacht.
 

Zu viel zu tun. Zu wenig Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Hamsterrad.

 
Ihr Ausstieg ist mit beträchtlichen finanziellen Einbußen verbunden – aber es ist ihnen wichtiger, sich mit Dingen zu beschäftigen, für die sie sich begeistern können.

Sie wollen ihr Leben wieder selber in die Hand nehmen. Entscheiden, womit sie ihre Zeit verbringen und nicht länger gezwungen sein, Dinge nur zu tun, nur weil sie getan werden müssen.
 
Wir hatten einen sehr entspannten und fröhlichen Abend, an dessen Ende sie noch ihr Bedauern ausgedrückt haben: Bedauern darüber, dass sie die Situation so lange ausgehalten und nichts verändert haben.
 

Am Ende bereut man immer das, was man nicht getan hat.

 
Unser Gespräch hat mich an meine Situation von vor ein paar Jahren erinnert.
Damals hatte ich noch mein gut laufenden Büro in München. Mit repräsentativen Räumen, Mitarbeitern und dem ganzen Schnick Schnack, das man „Erfolg“ nennt.
Aber: ich hatte sehr wenig Zeit und noch weniger Freiraum.
Ich war gefangen in den täglichen Verpflichtungen, meiner Verantwortung den Mitarbeitern und Kunden gegenüber.
 
Und obwohl ich selbständig war, konnte ich nicht selbst bestimmen, wie ich meine Zeit verbringen wollte.
 
Ja, ich habe gut verdient und konnte mir so einige Annehmlichkeiten leisten. Und es war tatsächlich nicht einfach, mich umzustellen.
Neben den finanziellen Einbußen, war es mit radikalen persönlichen Eingriffen in mein bisheriges Leben verbunden.
 
Manchmal scheinen einem solch tiefgreifende Entscheidungen unmöglich. Obwohl man genau weiß, dass sie dringend notwendig sind, scheut man sich vor grundlegenden Veränderung.

Aus Angst vor finanziellen oder gar existenziellen Problemen.

 
Wenn Geld der Grund ist, warum du an deiner jetzigen Situation festhältst, ist es wichtig, dir klar zu werden, was du wirklich willst.
Je entschiedener du deine Prioritäten setzt, desto einfacher ist es, das Thema Geld nicht länger als Hindernis auf deinem Weg zuzulassen.
 

Nimm dem Geld ein wenig von der Macht, das es auf deine Gedanken hat.
Versuche, dich unabhängiger davon zu machen.

 
Untersuche genau, wofür du dein Geld ausgibst und ob es das tatsächlich wert ist.
Es ist eine Sache der Wertschätzung: brauche ich die große Wohnung? Was kostet mich das zusätzliche Zimmer? Wie lange muss ich dafür arbeiten? Ist es mir die Lebenszeit tatsächlich wert?
Wenn du das mit Ja beantworten kannst, ist alles fein und du kannst die anderen Lebensbereiche untersuchen.
 
Stelle dir dabei folgende Fragen:
 
Wie viel brauche ich wirklich, um gut leben zu können?
– Wie kann ich meine Ausgaben von meinem Einkommen abkoppeln und mir Ersparnisse aufbauen? (In diesem Artikel habe ich mich intensiv mit dem Thema finanzielle Freiheit befasst.)
– Auf was kann ich verzichten, ohne dass ich es als Verlust wahrnehme?
 
Sparen ist nicht wirklich sexy.
Aber finanzielle Unabhängigkeit, die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich brauche und was nicht, sich nicht von Werbung und dem überall vorherrschenden Konsumterror beeinflussen zu lassen und eigenverantwortlich zu handeln – ich finde das ist richtig sexy.
 

Es bedeutet auch, die Dinge, die man besitzt, gut auszuwählen und wertzuschätzen.

 
Es gibt für jeden einen Punkt, eine Summe Geld, die er im Monat benötigt, um zufrieden leben zu müssen. Ohne auf etwas, was dir wirklich wichtig ist, verzichten zu müssen.
Es gilt, diese Balance zu finden.
 
Heute bin ich froh, dass meine Firma klein geblieben ist. Ich habe genug zum Leben und für alles was ich mir wirklich wünsche.
Mehr Geld macht mich nicht glücklicher – zumindest nicht im gleichen Verhältnis, wie es Zeit und andere Opfer von mir fordert.
 
Es geht also nicht darum, auf etwas zu verzichten, sondern alles überflüssige gehen zu lassen.
Das, was man nicht braucht und was einen vielleicht sogar belastet.
 

Aus dieser Haltung kann sich die Möglichkeit ergeben, weniger zu arbeiten und dafür mehr Zeit – mehr Lebenszeit – zu haben.

 
 
 
 
Und? Kennst du den Wunsch, weniger zu arbeiten? Hast du Bedenken bezüglich der finanziellen Einbußen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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4 Comments

  • Reply
    Petra
    21. Oktober 2016 at 11:43

    Ein Problem ist, dass in der heutigen Zeit die Lebenshaltungskosten der-maßen hoch sind, dass es garnicht mehr um mehr oder weniger „Luxus“ geht.
    Selbst wenn man sich räumlich verkleinern will, kostet eine 1- oder 2-Zimmerwohnung heute genauso viel wie vor ein paar Jahren eine 3- oder 4-Zimmerwohnung. Das gilt sowohl für Großstädte als auch inzwischen für ländliche Regionen. Strom, Lebensmittel etc. wird permanent teurer. Angefangen hat es mit dem Euro. Kein Mensch hätte für ein Kilo Äpfel 6 DM bezahlt oder für einen Latte Macchiato 7 DM. Ich habe auch das Gefühl, dass da gewolltes System dahinter steckt – je mehr wir mit dem Überleben beschäftigt sind, desto besser kann man uns händeln und vom Nachdenken abhalten. Und – jeder macht mit! Egal ob Hausbesitzer, Stromversorgung…. Und – das ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren werden laut neuesten Erkenntnissen einen Großteil unserer Arbeit von Robotern übernommen – das bedeutet, wir sind viel zu viel Menschen für viel zu wenig Arbeit. Von was leben wir dann und wie verbringen die Menschen ihre Zeit? Ich persönlich glaube, dass die Zeiten des Einzelkämpfertums zu Ende sind und es nur noch im Team geht und man sich dadurch Entlastung schaffen kann. Das setzt allerdings zuverlässige, integre Kollegen voraus und die zu finden, ist alles andere als einfach….Im übrigen ist „kleiner“ auch nicht in jedem Bereich die Lösung. Ich hatte viele Jahre ein Einzelhandelsgeschäft – mit immer gleichen Öffnungszeiten und Anwesenheitspflicht. Und da ist es egal, ob das Geschäft 30 oder 140 qm hat…..man sitzt den ganzen Tag im Laden, ob Kundschaft kommt oder nicht……

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      21. Oktober 2016 at 14:56

      Liebe Petra, danke für deinen Kommentar. Ich denke auch, dass die Situtation in den vergangenen Jahren schwieriger geworden ist. Umso wichtiger ist es, jetzt Schritte zu unternehmen. Zum Thema Zukunft der Arbeit kann ich dir meinen Artikel „Freiheitsformel“ empfehlen. Der Autor des Buches Adam Fletcher setzt sich intensiv und konstruktiv mit der Veränderung der Arbeitswelt auseinander. Dir alles Gute! Sabine

  • Reply
    Susanne
    25. Oktober 2016 at 9:45

    Naomi Campbell wird das Zitat zugeordnet: „Money does not make you happy – but only the rich people know“. Das leuchtet ein. In den Köpfen derjenigen, die nicht viel Geld (aber vielleicht genug) haben, richtet der Wunsch nach mehr Geld möglicherweise einen nicht zu unterschätzenden Schaden in Hinblick auf die Lebensqualität an. Ich stimme Petra zu und denke, dass eine jahrzehntelange Konditionierung „ich konsumiere, also bin ich“ bzw. „ich belohne mich mit Konsum“ ihren Beitrag zu (meiner) Misere leistet. Die Überprüfung meiner Gedanken und Glaubenssätze mit „thework.com“ holt mich da zuweilen sehr gut „raus.“

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      25. Oktober 2016 at 14:00

      Liebe Susanne, das Zitat kannte ich noch nicht 🙂 Ich stimme mit dir überein: es gilt, unser Konsumverhalten zu hinterfragen. So haben wir eine reelle Chance, aus dem „Arbeiten-Konsumieren – mehr Arbeiten – mehr Konsumieren“ Kreislauf auszubrechen. „The Work“ von Byron Katie kann dabei sicher helfen. Man könnte zum Beispiel alle Sätze hinterfragen, die mit „Ich brauche…“ beginnen. 🙂 Was meinst Du? Liebe Grüße Sabine

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