Einfach mal weg

Wie ein Anwaltsschreiben mehr Zen in mein Leben brachte

 

Letztes Jahr wusste ich nicht mehr weiter. Ich hatte Probleme mit meinem Business – die Arbeit war mir zu viel geworden, ein Anwaltsschreiben war im Briefkasten gelandet, ich war genervt und müde – und plötzlich sah ich glasklar, wie überfordert ich von der ganzen Situation war. Kein Zen, weit und breit.

 

Ich hatte Sehnsucht nach Ruhe, wünschte mir eine abgelegene Hütte im Wald, ganz für mich alleine.

 

Ein Ort, an dem mich niemand findet.

 

Ich fand eine Hütte am Harlachberg im Bayerischen Wald. Ich schnappte mir meinen Hund und fuhr hin.
Und – na ja, so ganz einsam war es dann glücklicherweise doch nicht: es gab sehr freundliche Menschen, die für mich gekocht haben.

 

Ich blieb drei Tage und beruhigte mich, gewann Abstand zum Tagesgeschehen.

Ich starrte in die Luft, meditierte, schrieb Tagebuch.

Ich lief durch den Wald und fand zu einem entspannten Dasein zurück.

 

 

Kurzum: ich habe mir wieder mehr Zen in mein Leben geholt.

 

 

Jetzt konnte ich wieder klare Gedanken fassen, präzise Bilder finden. Feststellen, was ich von meiner Zukunft wollte und was nicht.
Ich setzte mich hin und schrieb alles auf. Alles.
Und als ich wieder abfuhr war ich hoch motiviert und voller Energie.

Mein Mindset hatte sich komplett verändert.

 

Es folgte das erfolgreichste Jahr in meinem Business.

 

Seither habe ich eine Auszeit Routine entwickelt – mir zur Gewohnheit gemacht, mich mehrmals im Jahr zurückzuziehen.

Ich spreche dabei nicht von Urlaub – auch wenn es sich so anfühlt. Immer nehme ich meinen Computer mit, um bei Bedarf verbunden zu sein.

Aber ich fahre alleine (natürlich mit Hund) und verbitte mir jegliche Einmischung von außen.

 

Es ist ein „im Sein sein“. Wertvoll. Unbezahlbar.

Denn manchmal brauchen wir Zeit, um Herausforderungen annehmen zu können.
Zeit, um – ohne Einfluss von außen – festzustellen, wer wir eigentlich sind und was wir wirklich wollen.

Gibt es für dich eine Auszeit Routine?

Schreib mir doch über deine Erfahrungen. Wo fährst du hin? Was ist dabei wichtig für dich?

 

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4 Comments

  • Reply
    Patricia Bennett
    6. Januar 2015 at 17:27

    Das Gefühl, weg zu wollen, Zeit ganz allein für mich haben zu wollen, kenne ich allzu gut. So eine Zeit in einem (tibetischen) Kloster wäre etwas für mich, dachte ich dann oft. Oder eben – wie bei Ihnen – eine Hütte ganz weit ab vom Schuss.

    Leider ist mir ein Verreisen im Außen noch nicht möglich, denn noch lebe ich von Hartz4. Doch ich versuche immer einmal wieder eine „Verabredung mit mir selbst“ für einige Tage im Jahr.

    So dieses Mal zu Weihnachten. Das liegt gar nicht so sehr an diesem speziellen Fest, sondern viel mehr daran, dass dann auch in der Außenwelt (meine persönliche Umgebung) alle Menschen mit „anderen Dingen“ beschäftigt sind, die Ämter geschlossen haben und auch mit „schwieriger Post“ nicht zu rechnen ist.

    Die Außenwelt lässt mich also weitgehendst in Ruhe, fordert keine „sofortige“ Reaktion von mir, ich kann viel Zeit damit verbringen, intuitiv und selbst bestimmt meinen Gedanken nachzuhängen, meine Projekte zu bearbeiten, meine Ideen zu klären und Visionen zu entwickeln.

    Im Alltag – und sogar in solchen „freien“ Momenten – scheinen die Tage nie lang genug zu sein. Sehr gerne käme ich mit weit weniger Schlaf aus und machte die Nächte durch – dies ist für meine Gesundheit allerdings nicht förderlich, deshalb achte ich – wo immer möglich – auf rechtzeitiges Reagieren auf meine Müdigkeit. (Es gibt Phasen in meinem Leben, wo ich solch inneren Flow hatte, dass ich bis zu 48 Stunden ohne jeglichen Schlaf auskam und gegen Ende sogar noch wirklich kreativ und produktiv sein konnte! Nun gehe ich allerdings auf die 50 zu und seit meinem 30. Lbj. brauche ich schon so meine 8-12 Stunden Schlaf. 🙂 ).

    Was ich zu beschreiben versuche ist, dass ich mit sehr viel Kreativitäts-Energie gesegnet bin und diese auch in sinnvolle Projekte (selbst initiiert) stecken kann – viele Faktoren des Alltags und der Umwelt (Nachbarn, Mitmenschen…) halten mich hierbei auf und zeigen sich als „Energieräuber“, wogegen es mir schwer fällt, mich abzugrenzen. Andererseits bin ich auf Menschen angewiesen, um meine Projekte zu verwirklichen. Es ist also notwendig, mich gesellschaftlich (Chor) und z.T. sogar politisch (Ämter, Finanzen, Soziales, Kommunales) einzubringen.

    Am liebsten bin ich alleine und tue mich in Gruppen und Kontakten schwer. Ich bin anderen häufig schnell „zu viel“, „zu schnell“, „zu sprunghaft“ im Reden und Denken. (Hauptursache ist hier mein Problem des sehr hohen IQ, ich „überspringe“ gedankliche Zusammenhänge im Ausdruck, die ich als Allgemeinwissen voraussetze – hier hänge ich leider ein Gro der Mitmenschen ab, die mir das in der sozialen Interaktion häufig übel nehmen und mich nicht nachvollziehen können und wollen. Hinzu kommt dann mein Problem als Hartz4-Empfängerin: a) kann ich mir nicht leisten, in „besser betuchten“ Gruppen Anschluss zu finden, wo sich meist eher Menschen aufhalten, die meinen Gedanken folgen könnten (ManagerInnen…). b) werde ich aufgrund meiner Bekleidung („billig aber sauber“, „wenige Sets“) schnell als Hartz4-lerin „erkannt“ und leider auch heute noch als (überspitzt gesagt): „Nichtsnutz“ eingeschätzt/abgewertet.

    Auch deshalb hören mir einige Menschen (seltsamer Weise meist Frauen) nicht zu, denn – so eine regional höher gestellte Frau: „Na, Sie sehen ja nicht gerade aus, wie eine große Unternehmerin!“ ….. Als ob jede Unternehmerin mit hohem Ziel in Gold gekleidet geboren wäre … so etwas macht traurig und verunsichert mich.

    Denn ich habe ein sehr großes Konzept entwickelt, ein RundumPaket für die Problemlagen zum Leben auf dem Lande (Wohnen/Arbeit/Mobilität). Die dafür notwendigen 15 Mio Euro SIND TATSÄCHLICH erwirkbar. Doch an Menschen, wie dieser Frau komme ich kaum vorbei, um die dazugehörigen Fördertöpfe zu öffnen.

    Eigentlich benötigte ich nun noch 3 Wochen ZEIT FÜR MICH, um mich aufzurappeln. Doch leider hat mich die Außenwelt vom 7.1. an (nach Hl. 3 Könige) wieder fest im Griff. 🙂

    Einer der nächsten Termine ist die Beratung meines Konzeptes durch das Sozialministerium (hier erlebe ich sogar schon politisch Anerkennung für das Konzept!) und damit verbunden ggf. die Antragsstellungen für spezielle Fördertöpfe (Kreditie).

    Ok … nun bin ich ein wenig vom Thema abgekommen … aber ich denke, durch diese Beispiele aus dem Leben, wird deutlicher, warum ich gerade „ZEN-reif“ bin 🙂

    Herzliche Grüße
    Patricia

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      7. Januar 2015 at 9:47

      Hallo Patricia,

      danke für deinen sehr persönlichen Kommentar !
      Ich kenne die Erleichterung, die die Tage zwischen den Jahren bringt, sehr gut. Die Außenwelt ist mit sich und dem Fest beschäftigt und man hat Zeit, das Vergangene Revue passieren zu lassen und das Neue zu planen. Auch wenn ich am Jahresende sehr mit dem Launch dieses Blogs beschäftigt war, hat es doch gut getan, Zeit für lange Spätziergange und viel Schlaf zu haben (auch ich brauche meine 8 Stunden!)
      Als Selbstständige bin ich den Rest des Jahres doch zumeist greifbar – auch wenn ich die ständige Verfügbarkeit schon seit einer Weile stark eingeschränkt habe. Für mich gibt es inzwischen feste Zeiten, in denen ich mich ausschließlich den für mich wichtigen Projekten widme – und mich nicht mit der Außenwelt auseinandersetzte.
      Vielleicht planst du auch eine feste „Schonzeit“ ein?

      Schön, dass Du dabei bist!
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  • Reply
    Die Kuh vom Eis
    7. Januar 2015 at 22:41

    Hallo Sabine,
    deine Auszeit vom inzwischen leider ganz normalen Wahnsinn klingt nach der berühmt-berüchtigten letzten Ausfahrt. Zum Glück – du hast sie genommen! Denn ich hatte diese letzte Ausfahrt irgendwie verpasst.

    Nicht etwa, weil ich zu wenig aufmerksam gewesen wäre, nein, ganz im Gegenteil, ich war völlig ÜBERREIZT. Das geschieht allmählich und zwar immer dann, wenn man sich schon meilenweit vom eigenen Ich entfernt hat.
    So kam ich also zu meiner dringend nötig gewordenen Auszeit – jedoch zunächst nicht wirklich gewollt, eher medizinisch verordnet.
    Da saß ich dann außerhalb jedwedem ZEN-Bewusstsein zwei Monate lang in einem überschaubaren Einzelzimmer ohne Telefon, ohne Computer, ohne TV, ohne W-LAN, ohne Tageszeitungen und ohne das im Hintergrund aufheulende Radio-Gedudel. Vor meinem Fenster ein dichter dunkler Wald und um mich herum (seit einer gefühlten Ewigkeit) die totale Ruhe.

    Erst mal war da Zeit, viel Zeit. Zeit mit sich alleine zu sein und mit sich alleine es kaum auszuhalten. Erst mal. Eine Phase der Metamorphose hin zum ZEN vollzog sich nur langsam, Schritt für Schritt. Wie irritiert ich war, wieder zu spüren, dass ich längst den Weg zur Mitte „verlernt“ hatte zu gehen. Was überhaupt ist spüren?

    Nur durch ein großes, selbst für mich unübersehbares STOP-Schild, bin ich davor bewahrt worden, mich selbst völlig entwurzelt und haltlos zu verlieren.

    Heute mit etwas Abstand betrachtet, weiß ich um dieses große Geschenk! Und ich bin davon überzeugt, dass sich das Zeitfenster für diese elementare Entscheidung nie wieder mit meinem ignoranten Zutun schließt. Denn es hat sich gelohnt, mich „aus dem Verkehr“ zu ziehen – sozusagen die Kuh vom Eis zu holen. Der Blick ist wieder unverstellt und mit allen Perspektiven ausstaffiert, die ich zuvor nie für möglich gehalten hätte…

    Daher kann ich deine Erfahrungen durch und durch teilen und freue mich über diesen hilfreichen Blogbeitrag, der mir mehr als aus dem Herzen spricht. Jegliche Klarheit erschließt sich uns wohl nur durch das bewusste Zurücktreten und achtsame Wahrnehmen unseres Selbst.

    Ich persönlich habe übrigens bisher noch keine wirkliche „Schonzeit-Routine“ entwickelt, aber ich denke aktuell bereits konkret darüber nach, wie, wo und wann ich mir jegliche Einmischung von außen wieder genüsslich verbitte!

    Herzlichst,
    Die Kuh vom Eis

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      8. Januar 2015 at 18:03

      Hallo liebe „Kuh vom Eis“,

      da bin ich ja froh, dass Du das STOP Schild nicht übersehen hast.
      Schade eigentlich, dass es oft erst eine tiefe Krise braucht damit man begreift.
      Bei mir war das ähnlich. Die ersten Schritte danach waren echt hart – zu viele antrainierte Verhaltensmuster.
      Um die zu ändern muss man echt dran bleiben. Aber es lohnt sich.
      Es ist erstaunlich, wie fundamental Veränderungen greifen, wenn man sie Schritt für Schritt umsetzt.

      Danke für Deinen Kommentar!

      Und über das Thema „Schonzeit“ schreibe ich nächstens einen Post ….

      Bis dahin,
      liebe Grüße,
      Sabine

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