Morgenroutine Selbstentwicklung

Wunderwaffe Dankbarkeit

Dankbarkeit

Während ich diesen Blogpost schreibe, sitze ich in Lissabon in einem Café. Die Kaffeemaschine brüllt und auch sonst ist alles sehr lebendig.
Ich bin angekommen.
Meine Anreise war allerdings ein ziemliches Desaster – aber dazu später mehr…
 
Damit du verstehst, wie ich diesen Tag erlebt habe, möchte ich dir von einer Gewohnheit erzählen, die ich fest in meinen Tagesablauf integriert habe. Inspiriert vom 5 Minuten Journal praktiziere ich täglich: Dankbarkeit.
 

Wenn ich morgens mit dem Arbeiten beginne, nehme ich mir ein Blatt Papier, falte es in der Mitte und schreibe dann als allererstes drei Dinge auf, für die ich dankbar bin.

 
Wenn ich abends ins Bett gehe und die Augen schließe, denke ich wieder an drei Dinge, für die ich heute dankbar bin. Meisten schlafe ich schon nach dem zweiten Punkt ein. Friedlich und positiv gestimmt.
 
Warum ich das mache?

 
Dankbarkeit, bedeutet zu schätzen, was ist. Hier und jetzt.
Es bedeutet nicht, sich etwas zu wünschen, sondern anzuerkennen, wo du gerade stehst und was du bereits erreicht hast. Ohne – in diesem Moment – mehr zu wollen.
 
Es bedeutet, das Leben als Geschenk zu sehen, auch wenn sich dieses Geschenk manchmal hinter Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten versteckt.
Es bedeutet zu vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hat.
 
Dankbarkeit am Morgen verändert die Perspektive, und somit die Sicht auf deinen Tag.
 
„Dank­bar­keit für die gu­ten Din­ge in dei­nem Le­ben ist die Grund­vor­aus­set­zung für jeg­li­che Fülle“Eckhart Tolle
 

Und: wenn du dich in einer schwierigen Situation befindest, kann dich Dankbarkeit buchstäblich retten.

Womit wir wieder bei meiner Reise nach Lissabon wären.
 
Denn um hier anzukommen, hatte ich mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Anreise war – ehrlich gesagt eine ziemliche Katastrophe.
Ich hatte einen Zubringer von Nürnberg zum Flughafen München gebucht. Einen Bus. Doch der kam nicht. 40 Minuten nach geplanter Abfahrt war klar: der Bus ist ausgefallen. Ich habe mich schnell mit ein paar Leuten zusammengetan und bin in ein Sammeltaxi gesprungen.

Noch drei Stunden bis Abflug.

 
Was wie eine Lösung aussah, war ein Desaster. Der Fahrer weigerte sich, schneller als 110 km/h zu fahren. Meine Mitpassagiere – allesamt mit früheren Flügen als ich – wurden immer nervöser.
Die Atmosphäre im Auto war dermaßen angespannt, dass dass kaum ein Wort fiel.
 
Plötzliche waren wir eine eingeschworene Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel: unsere Flüge zu erreichen. Nur unser Fahrer schien das noch nicht begriffen zu haben.
 
Dann ein Stau – und dann noch ein Stau. Was eigentlich als Autobahn konzipiert ist, glich eher einem Parkplatz.
 

Noch 1,5 Stunden bis Abflug.

 
Meine Leidensgenossen hatten inzwischen aufgegeben, sie würden ihre Flüge nicht mehr erreichen. Aber die Chancen, meinen Flug zu bekommen standen noch recht gut. Knapp aber möglich.
 
Und dann: endlich angekommen. Ich renne zum Schalter. Ein freundliches Gesicht. Der Herr schaut mich nur kurz an. Mein Flug —– wurde verschoben. Um mindestens 2 Stunden. Wenn nicht mehr.
 

Erleichterung, Ärger, Fassungslosigkeit.

Als ich erschöpft am Gate sitze, weiss ich nicht wohin mit meinen Gefühlen, mit all dem Adrenalin in meinem Blut. Ich bin völlig erledigt.
 
Aber ich beschließe, mir meinen Tag und meine Vorfreude nicht verderben zu lassen.
Statt dessen schreibe ich eine Liste mit Dingen, die heute schon gut gelaufen sind.
 

Dinge für die ich dankbar bin:

 
– ich bin heil – und immerhin schon bis hierher gekommen
– die anderen Passagiere im Sammeltaxi waren so nett, mir Bargeld zu leihen. Nur so konnte ich überhaupt mitfahren.
– ich werde meinen Flug erreichen
– es sieht im Moment so aus, als würde ich heute noch nach Lissabon kommen.
– es liegt eine großartige Woche vor mir
– ich bin gesund
– ich lebe in Freiheit
– ich habe ganz fabelhafte Freunde
 
Die Liste war natürlich viel länger – aber ich glaube, du verstehst, was ich meine.
 

Denn es gibt in jeder noch so schwierigen Situation unzählige Dinge, für die man dankbar sein kann.

 
Die negativen Umstände sind dadurch zwar immer noch da – ich erlebe sie als schwierig – aber sie rücken in den Hintergrund. Gleichzeitig treten die wunderbaren Dinge, die ich sonst gerne mal für selbstverständlich nehme, in den Vordergrund.
Sie liegen direkt vor mir. Und zeigen mir, wie reich und erfüllt mein Leben doch ist.
 
Meine Dankbarkeits-Liste hat mich über den Tag gerettet als mein Flug wieder und wieder nach hinten verschoben wurde. Sie hat mir geholfen, die Stimmung hoch zu halten und mich nicht der Müdigkeit, der Ungeduld und dem Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein, hinzugeben.
 
Großes Plus: diese Art Liste kann man immer machen, überall. Und sie hilft in jeder noch so desaströsen Situation.
Entscheidend dabei ist, die Dankbarkeit tatsächlich zu spüren, während du die Punkte aufschreibst.
 

It´s all about emotions!

 
Schau nicht auf das, was du nicht hast, sondern auf das, was du hast. Du wirst sehen: der Unterschied ist erstaunlich.
Vielleicht schaffst du es ja sogar, die vermeintlich schlechten Erfahrungen dankbar anzunehmen. Denn oft verbirgt sich dahinter ein großes Geschenk.
 

Ich habe Lissabon noch am selben Abend erreicht.

 
Der Anflug auf die Stadt war spektakulär. Das Abendrot hatte sich wie ein gigantisches Feuer über den ganzen Himmel ausgebreitet – die Stadt lag schon im Dunklen.
Nur die orangene Straßenbeleuchtung ließ erahnen, dass unter mir das Leben pulsiert.
 
Wäre ich auch nur eine halbe Stunde früher geflogen, hätte ich diesen unvergesslichen Moment nicht erlebt.
 

„Alles ist gut so wie es ist“, dachte ich mir und war auf der Stelle mit dem Tag versöhnt.

 
 
“Everyday, think as you wake up, today I am fortunate to be alive, I have a precious human life, I am not going to waste it. I am going to use all my energies to develop myself, to expand my heart out to others; to achieve enlightenment for the benefit of all beings.[…] ”Dalai Lama
 

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2 Comments

  • Reply
    Caro
    22. September 2016 at 12:53

    Hallo Sabine,
    dieser Text berührt und begeistert mich sehr – vielen Dank dafür!!
    Und du hast Recht: Wir leben wohl (fast) alle in Situationen, in denen wir für sooo viel dankbar sein können, selbst wenn einmal das eine oder andere nicht leicht ist oder schief läuft.
    Und wie oft haben wir es auch bestimmt alle schon einmal erlebt, dass eine zunächst negative Entwicklung (die Verspätung in deinem Fall) eine tolle Erfahrung mit sich brachte (den unvergesslichen Anblick der erleuchteten Stadt).
    Vielen Dank für den tollen Artikel und viele Grüße,
    Caro

    • LessWorkMoreZen
      Reply
      LessWorkMoreZen
      22. September 2016 at 14:17

      Hallo Caro, ich freu mich, dass dich der Text berührt. Danke für dein tolles Feedback! Liebe Grüße Sabine

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